Roque Bentayga von Südosten
der Roque Bentayga – weithin sichtbar, wie eine Festung, thront er über der Inselmitte

09/04/2018

Auf den Machu Picchu der Kanaren?

Einige unserer Reiseleiter haben sich ein bemerkenswertes Wissen über die Ureinwohner der Kanaren angeeignet. Noch gibt es viele Rätsel, z. B. ob sie freiwillig auf die Inseln gekommen sind, oder vielleicht hierher deportiert wurden. Dass sie sich auf den Inseln nicht regelmäßig besucht haben können, zeigen die großen Unterschiede der Funde, z. B.  der Keramik.

Ihr könnt  mit uns auf  Spurensuche der Benahoritas, der Ureinwohner La Palmas gehen.

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Hier mein  Bericht vom Besuch des heiligen Roque Bentayga auf Gran Canaria:

Als ich das erste Mal von die Bezeichnung Machu Picchu für den Roque Bentayga auf Gran Canaria las, hielt ich das für eine maßlose Übertreibung und musste doch schmunzeln über die Fantasie der Marketingleute. Als ich auf dem Kultplatz da oben auf dem Bentayga saß,konnte ich zumindest eine teilweise Berechtigung für diesen Spitznamen anerkennen. Wie der viel berühmtere, etwa zur gleichen Zeit angelegte Rückzugsort der Inka, war auch der Roque Bentayga der allerletzte Zufluchtsort der letzten 1000 Krieger der Altkanarier, die sich im Jahre 1482 da oben vor den anrückenden Spaniern verschanzt hatten.Vom Bentayga aus hat man einen unvergleichlichen weiten Rundumblick und konnte alle herannahenden Feinde schon von Weitem sehen. Ungefähr 2 Wochen lang konnten sie der Belagerung widerstehen und sich mit Steinsalven zur Wehr setzen. Dann mussten sie kapitulieren. In den mehr als 100 natürlichen oder aus den Fels geschlagenen Höhlen des Massives, die zum Teil miteinander verbunden waren, lagerten Vorräte. Und die Nähe zum Kultplatz und zu den Göttern konnte die Motivation zum Durchhalten hier wie dort noch etwas verstärken. Der Hauptgott war Alcorán,so nannten ihn die Canarii, die Ureinwohner Gran Canarias. Die Insel nannten sie in ihrer Berbersprache Tamarán.

Der Name Bentayga stammt übrigens von einem bei den Spaniern wegen seiner erfolgreichen Guerillataktiken gefürchteter Krieger der Ureinwohner Gran Canarias. Nach der Kapitulation wurde er von den Spaniern angeheuert, um bei der Unterwerfung der Guanchen Tenerifas nützlich zu sein. Dort wurde er von den Spaniern großzügig mit geraubten Land der Guanchen entlohnt.

Ich machte mich an einem Augustsonntag an die „Eroberung“ des Roque Bentayga. Da ich aufgrund seiner Schönheit, seines Mythos und seiner zentralen und gut erreichbaren Lage in der Nähe des berühmteren Roque Nublos annahm, dass Scharen von Besuchern ihn erstürmen würden, machte ich mich sehr früh auf den Weg. Schon die Anfahrt mit dem Auto aus dem Tal von Fataga, wo meine Unterkunft war, machte mich stellenweise sprachlos ob der gewaltigen Felsmassive, die ich in dieser Mächtigkeit auf einer Kanareninsel nicht vermutet hatte. Ich fühlte mich sehr an meine Touren durch Arizona erinnert. Am Fuße des gewaltigen Felsens Bentayga, eines von der Erosion freigelegten Vulkanschlotes, informiere ich mich in einem kleinen Museum über die Ureinwohner. Dort waren wir die einzigen Besucher. Ich las, dass die letzten Meter des Aufstieges zum Kultplatz nichts für Menschen mit Höhenangst sind. Ich schluckte, mußte ich mich doch an die bisher schlimmste Höhenangstattacke meines Leben erinnern, die zu einem Abbruch meines Aufstieges auf den La Fortaleza auf La Gomera geführt hatte. War es das wirklich wert, mich wegen des Aufstieges auf einen Kultplatz eines untergegangen Volkes vielleicht in Gefahr zu begeben? Und dazu noch in der Augusthitze ordentlich zu schwitzen? Aber meine Neugier siegte.

 

Aufstieg auf den Bentayga
Beim Aufstieg kam ich auch an vielen Mandelbäumen vorbei, Mandeln wurden schon von den Canarii verarbeitet

 

Blick nach Südwesten vom Bentayga
Aussicht Richtung Südosten

 

Ich genoss den Aufstieg mit seinen ständig wechselnden spektakulären Aussichten. Es ging auf leicht zugänglichen Wegen vorbei an Mandelbäumen und künstlich erweiterten Höhlen. Dann gab es einen Durchstieg durch eine lange rätselhafte Mauer, die von den Ureinwohnern errichtet wurde. Wie weit würde ich wohl kommen? Dann näherte ich mich einer schmalen Treppe aus jüngster Zeit mit einer Sicherung durch ein Seil, welches rechts am Felsen befestigt war und links davon… … der Abgrund. Ich sprach mir selber Mut zu, fragte die Geister dieses Ortes, ob ich ihn gefahrlos betreten darf und los ging´s, nur nicht zögern. Nur nicht nach unten schauen oder jetzt schon daran denken, dass ich da ja wieder hinab muss. Geschafft, ich stand auf dem flachen, aus dem Gestein heraus gehauenen Platz.

 

Mauer der Ureinwohner auf dem Roque Bentayga
Mauer der Altkanarier, bis 3 m hoch und 60m lang

 

Ich entdeckte viele Details wie eine große ringförmige Vertiefung, mehrere heraus gehauene Löcher,in denen vielleicht Holzpfosten gesteckt hatten und viele künstlich angelegte Rillen. Die beiden Vertiefungen liegen genau auf einer gedachten Linie, die auf den Roque Nublo in der Ferne zeigt. Welche Funktion hatte wohl dieser Platz? War er eine Opferstätte, wo Tierblut die Rinnen hinab lief? Oder gar ein Observatorium? Einige Linien sind auf den kleinen Nebengipfel gerichtet, anderer Vertiefungen zeigen auf den Roque Nublo, der ebenfalls ein heiliger Ort war, und es gibt einige Theorien, was von hier oben beobachtet werden konnte, Sonnenaufgänge und Sternkonstellationen.

Kultplatz almogaren
Hier erinnert es schon an Machu Picchu, oder was meint ihr?

 

 

 

kreisförmige Rinne auf dem Kultplatz
Ob hier Trankopfer hineingeschüttet wurden oder Sonnenaufgänge zu bestimmten Tagen beobachtet wurden? Auffällig wieder die Ausrichtung auf den Roque Nublo

 

Observatorium Roque Bentayga
wenn in den Vertiefungen Holzpfosten gesteckt hatten, standen sie genau in einer Linie mit dem heiligen Roque Nublo

 

Roque Bentayga Höhle

Stolz auf mich, dass ich trotz meiner Höhenangst nun hier oben auf dem Felsplateou stand, wurde ich mutiger und kletterte zu einer eigenartigen überhängenden Höhle und entdeckte einen weiteren bearbeiteten Platz. In die Höhle hineinzugehen verhinderte meine Angst, da meine Fantasie mir ausmalte, wie diese Höhle genau in dem Moment, in der ich sie betrete,  abbricht und die vielen Hunderte Meter samt mir in die Tiefe stürzt. Aber immerhin wagte ich mich doch sehr an die Kante des Plateaus heran.

 

Aussicht nach Norden vom Roque Bentayga
In Wirklichkeit ist der Rundumblick noch viel beeindruckender, wer sich hier oben verschanzt hatte, konnte sich annähernde Feinde aus allen Himmelsrichtung rechtzeitig sehen.

 

Wo waren die anderen Touristen? Es gab keine. Auch jetzt noch war ich die einzige Person auf dem Berg und konnte für einige schöne Augenblicke die Stimmung dieses besonderen Ortes in mich aufnehmen, mir die Menschen vorstellen, die diesen Platz angelegt hatten und in seiner Nähe gelebt hatten und hier am Berg für ihre Heimat gestorben waren. Für einige wenige kostbare Momente begleitete mich nur der Schrei der Falken über mir und ich genoss die Stille, die Sonne und die vom Menschen veränderten Felsen.

Plötzlich dröhnten schrecklich lauten Motorräder, heute am Sonntag besonders zahlreich, aus allen Tälern hinauf und holten mich wieder unsanft in unsere laute und hektische Welt zurück.

 

Möchtest du mehr über die Ureinwohner La Palmas wissen? Dann buche eine individuell für dich  zusammengestellte Tour mit uns zu bekannten, aber auch weniger bekannten Fundstätten, die in keinem Reiseführer erwähnt werden. 

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